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“Gibt es an meinem Standort ausreichend Absatzpotential” oder “Wo leben meine Kunden und wie kaufen sie ein”? Diese Fragen kennt jedes Unternehmen. Oft werden sie aus dem Bauch heraus beantwortet. Die Unternehmen kennen zwar ihre Zielgruppe, aber geografisch können sie sie nicht zuordnen.

Von Geomarketing spricht man, wenn geografisch differenzierte Informationen zu Hilfe genommen werden, um Marketing- und Vertriebsstrategien zu entwickeln. Geomarketing bindet die vorhandenen Unternehmens- und Wirtschaftsdaten in digitale Landkarten ein. Große Datenmengen können somit visualisiert werden. Typische Anwendungsdaten sind die Darstellung der Bevölkerungsdichte oder die Kaufkraft der Region.

Aber es sind auch weitere Analysen möglich. Zum Beispiel kann die Tatsache genutzt werden, dass ähnliche Konsumentengruppen meist in gleichen Wohngegenden leben. Mithilfe der Zielgruppenfaktoren wie Kaufkraft, Altersstruktur oder Milieu-Typologie lassen sich solche Ähnlichkeiten identifizieren.

Ausgangsbasis für eine weitere Nutzung der Daten per Geomarketing sind die von Sinus Sociovision entwickelten Sinus-Milieus. Diese Milieus bilden ein Modell der sozialen Schichtung und der Wertestruktur unserer Gesellschaft. Es werden die Lebenswelten, Einstellungen und Stile der Verbraucher verwertet. Was empfindet der Verbraucher als schön, woran orientieren sie sich und was interessiert sie? Genau dies und auch was sie als schön oder hässlich empfinden hat viel mit dem Milieu zu tun, in dem sie leben.

Bei einer Analyse werden die einzelnen Milieus mit Adress-Pools abgeglichen und für jedes Haus eine statistische Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der die einzelnen Sinus-Milieus dort vorkommen.
Eine solche Datenbank kann zum Beispiel die Firma Microm Micromarketing Systems und Consulting zur Verfügung stellen, die so ein Projekt mit der Handelsgesellschaft AVA jüngst durchgeführt hat.

Und wofür kann man diese Daten nun einsetzen?

Zum Beispiel in der direkten Kundenkommunikation. Laut Michael Dunke, Medienagentur Universal McCann in Frankfurt, verfügen wir heute über kleinräumige lokale Informationen und bessere Informationen, um vorhandene Streuverluste zu minimieren. Oft wird die Relevanz von Werbeträgern in kleinräumigen Lebensfeldern verkannt. Noch herrscht viel Unkenntnis und Unsicherheit über den Wert von Geodaten und ihrem Nutzen in Marketing und Kommunikation.
Auch Peter Pawletzik, Kommunikationsagentur Pact, sieht in dem Einsatz von Geomarketing eine Chance für den Handel, Kunden an sich zu binden und der Preisspirale zu entkommen.
Gerade dem regionalem Handeln fehlt der Einsatz von standortbezogenem Marketing. Hier wird sich zu 90 Prozent auf Beilagen konzentriert.

Ein anderes Nutzungsbeispiel sind Kundenbindungsmaßnahmen.

Die Handelsgesellschaft AVA hat Geomarketing genutzt, um die Ansprache für die Kunden-Treuekarten gezielter zu gestalten.

Und nun der Haken: Leistungsfähige Software-Programme für eine bessere Auswertung fehlen noch. Bisher sind solche Analysen sehr teuer und aufwändig. Möchte ein Unternehmen eine erste Bewertung von Standorten, kostet der Zukauf der Daten zwischen 20.000 bis 50.000 Euro. Dieser Wert wird für die Bearbeitung und Auswertung der Daten dann noch mal verdoppelt.

Basisdaten können zum Beispiel die Bevölkerungsstruktur sein, die Pendlerdatenbank oder Frequenzatlas des Frauenhofer-Institutes.

Aber laut Michael Dunke können Firmen und Agenturen in naher Zukunft mit immer umfassenderen Datenbanken arbeiten.

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